
Wo Terroir zur Handschrift wird - unterwegs im Burgund
von Stefanie Schweizer
© josefzinkgmbh
„Drei Weingüter, drei Persönlichkeiten, unzählige Facetten des Terroirs: Unsere Reise durch das Burgund führte uns von Chassagne-Montrachet über Gevrey-Chambertin bis an den Corton-Hügel - zu Winzern, die Herkunft nicht erklären, sondern in ihren Weinen erlebbar machen.“
Das Burgund zählt zu den faszinierendsten Weinlandschaften Europas. Zwischen Dijon und Beaune erstreckt sich mit der Côte d’Or ein historisch gewachsenes Mosaik weltberühmter Weinlagen, deren Namen seit Jahrhunderten für höchste Qualität stehen. Kalkhaltige Böden, ein vergleichsweise kühles Klima und die oft kleinteilige Parzellenstruktur prägen Weine von außergewöhnlicher Präzision, Finesse und Herkunftstreue.Kaum eine andere Weinregion der Welt bringt den Einfluss des Terroirs so differenziert zum Ausdruck wie das Burgund. Jede Lage erzählt ihre eigene Geschichte, jeder Winzer interpretiert sie auf seine Weise.Im April 2026 führte uns eine zweitägige Weinreise nach Gevrey-Chambertin, Chassagne-Montrachet und Ladoix. Hochklassige Verkostungen, spannende Gespräche über Vinifikation und Klimawandel sowie die Begegnungen mit Menschen, die ihre Weinberge mit großer Leidenschaft bewirtschaften, machten diese Reise zu einer besonderen Erfahrung. Den Auftakt bildete der Besuch der Domaine Vincent & Sophie Morey in Chassagne-Montrachet. Auf rund 20 Hektar bewirtschaftet die Familie Weinberge in Santenay, Chassagne-Montrachet, Saint-Aubin, Puligny-Montrachet und Cheilly-lès-Maranges. Das Portfolio reicht von Village-Weinen bis hin zu Premier- und Grand-Cru-Gewächsen. „Seit 2006 widmen wir uns 23 verschiedenen Appellationen. Entscheidend ist für mich, dass jede einzelne den gleichen Respekt und die gleiche Hingabe erfährt“, erklärte Vincent Morey. Diese Haltung prägt die gesamte Arbeit des Hauses. Traditionelle Bodenbearbeitung, Handlese und ein behutsamer Ausbau im Holzfass stehen im Mittelpunkt. Auch die Fassphilosophie folgt einem klaren Konzept: Ein Drittel neue Barriques, ein Drittel Erst- und ein Drittel Zweitbelegung. So bleibt der Holzeinfluss dezent und unterstützt die Herkunft, statt sie zu überdecken.Die Weine überzeugen durch Klarheit, Präzision und Ausdruckskraft. Sie verbinden die Kraft ihrer Herkunft mit jener feinen Eleganz, die die großen Weißweine der südlichen Côte de Beaune so unverwechselbar macht.
In Gevrey-Chambertin empfing uns Pierre Boillot von der Domaine Lucien Boillot. Die rund sieben Hektar große Domaine bewirtschaftet renommierte Premier-Cru-Lagen in Gevrey-Chambertin, Nuits-Saint-Georges, Pommard, Volnay und Puligny-Montrachet.Schon bei der Verkostung wurde deutlich: Diese Weine suchen nicht die schnelle Wirkung. Sie brauchen Zeit und Luft, um ihre Tiefe, Struktur und Balance zu entfalten. Ihr Stil ist klassisch burgundisch - präzise, zurückhaltend und von großer Ruhe geprägt, wie der Winzer selbst. Pierre Boillot beschreibt seine Philosophie mit bemerkenswerter Klarheit: „Rund 20 Tage lasse ich dem Traubengut Zeit für die Maischegärung, bevor die Weine im Barrique reifen dürfen. Dort bekommen sie genau die Ruhe, die sie brauchen, um sich zu entfalten.“ Besonders eindrucksvoll war seine Beschreibung des Pinot Noir: „Pinot Noir ist eine Diva. Zu viel Bewegung verzeiht sie nicht. Lass sie ruhen. Lenk sie sanft. Dann zeigt sie dir ihre ganze Größe.“ In diesen wenigen Worten verdichtet sich sein Verständnis vom Weinmachen: Geduld, Zurückhaltung und das Gespür für den richtigen Moment. Seine Weine entfalten ihre Größe nicht laut, sondern leise – und gerade darin liegt ihre beeindruckende Klasse.
Die letzte Station führte uns nach Ladoix zum Maison Capitain-Gagnerot. Das Familienweingut wird heute in achter Generation von Pierre-François Capitain und seiner Schwester Delphine geführt. Herzlich empfangen wurden wir von Julie Capitain, die uns mit großer Fachkenntnis und spürbarer Begeisterung durch die Verkostung führte.Verkostet wurde der Jahrgang 2025 - quer durch die Lagen und über das gesamte Spektrum des Hauses hinweg. Vom Chardonnay bis zum Pinot Noir, von Village-Weinen bis zu renommierten Grand Crus bot sich ein beeindruckender Einblick in die Vielfalt des Corton-Hügels.Die Weinberge des Guts liegen unter anderem in Pernand-Vergelesses, Ladoix, Savigny-lès-Beaune, Aloxe-Corton, Corton, Corton-Charlemagne, Clos de Vougeot und Échezeaux. Bemerkenswert ist der zurückhaltende Einsatz von Neuholz: Mit lediglich rund zehn Prozent liegt er deutlich unter dem heute oft üblichen Niveau. Das Holz dient hier ausschließlich dem Wein – niemals umgekehrt. Das Ergebnis sind Weine von klarer Frucht, präziser Mineralität und bemerkenswerter Frische. Die Charakteristik von Pinot Noir und Chardonnay bleibt stets im Vordergrund und wird mit großer Finesse herausgearbeitet. Besonders spannend war die Erläuterung der einzigartigen Stellung des Corton-Hügels. Als einzige Grand-Cru-Lage des Burgunds bringt er sowohl große Rot- als auch große Weißweine hervor und bildet damit eine faszinierende Brücke zwischen Côte de Beaune und Côte de Nuits.
Unsere Reise durch das Burgund hat einmal mehr gezeigt, warum diese Region für viele Weinliebhaber als Maßstab gilt. Trotz unterschiedlicher Stilistiken verbindet die besuchten Weingüter eine gemeinsame Haltung: der kompromisslose Respekt vor Herkunft, Terroir und Handwerk.Ob die präzisen Weißweine von Vincent & Sophie Morey, die stillen und tiefgründigen Pinot Noirs von Pierre Boillot oder die terroirgeprägten Gewächse von Maison Capitain-Gagnerot - überall wurde deutlich, dass große Weine nicht gemacht, sondern begleitet werden. Im Burgund wird Terroir nicht nur sichtbar. Es wird zur Handschrift.
Wer noch tiefer in die Reise eintauchen möchte, findet in Folge 16 des Podcasts von @majakirsch_kirschroyal einen ausführlichen Bericht. Sommelière und Gastrocoach Maja Kirsch, die uns während dieser Tage begleitet hat, bringt die Begegnungen, Weine und Eindrücke des Burgunds mit viel Charme, Humor und fundiertem Fachwissen eindrucksvoll auf den Punkt.
Das Burgund zählt zu den faszinierendsten Weinlandschaften Europas. Zwischen Dijon und Beaune erstreckt sich mit der Côte d’Or ein historisch gewachsenes Mosaik weltberühmter Weinlagen, deren Namen seit Jahrhunderten für höchste Qualität stehen. Kalkhaltige Böden, ein vergleichsweise kühles Klima und die oft kleinteilige Parzellenstruktur prägen Weine von außergewöhnlicher Präzision, Finesse und Herkunftstreue.Kaum eine andere Weinregion der Welt bringt den Einfluss des Terroirs so differenziert zum Ausdruck wie das Burgund. Jede Lage erzählt ihre eigene Geschichte, jeder Winzer interpretiert sie auf seine Weise.Im April 2026 führte uns eine zweitägige Weinreise nach Gevrey-Chambertin, Chassagne-Montrachet und Ladoix. Hochklassige Verkostungen, spannende Gespräche über Vinifikation und Klimawandel sowie die Begegnungen mit Menschen, die ihre Weinberge mit großer Leidenschaft bewirtschaften, machten diese Reise zu einer besonderen Erfahrung. Den Auftakt bildete der Besuch der Domaine Vincent & Sophie Morey in Chassagne-Montrachet. Auf rund 20 Hektar bewirtschaftet die Familie Weinberge in Santenay, Chassagne-Montrachet, Saint-Aubin, Puligny-Montrachet und Cheilly-lès-Maranges. Das Portfolio reicht von Village-Weinen bis hin zu Premier- und Grand-Cru-Gewächsen. „Seit 2006 widmen wir uns 23 verschiedenen Appellationen. Entscheidend ist für mich, dass jede einzelne den gleichen Respekt und die gleiche Hingabe erfährt“, erklärte Vincent Morey. Diese Haltung prägt die gesamte Arbeit des Hauses. Traditionelle Bodenbearbeitung, Handlese und ein behutsamer Ausbau im Holzfass stehen im Mittelpunkt. Auch die Fassphilosophie folgt einem klaren Konzept: Ein Drittel neue Barriques, ein Drittel Erst- und ein Drittel Zweitbelegung. So bleibt der Holzeinfluss dezent und unterstützt die Herkunft, statt sie zu überdecken.Die Weine überzeugen durch Klarheit, Präzision und Ausdruckskraft. Sie verbinden die Kraft ihrer Herkunft mit jener feinen Eleganz, die die großen Weißweine der südlichen Côte de Beaune so unverwechselbar macht.
In Gevrey-Chambertin empfing uns Pierre Boillot von der Domaine Lucien Boillot. Die rund sieben Hektar große Domaine bewirtschaftet renommierte Premier-Cru-Lagen in Gevrey-Chambertin, Nuits-Saint-Georges, Pommard, Volnay und Puligny-Montrachet.Schon bei der Verkostung wurde deutlich: Diese Weine suchen nicht die schnelle Wirkung. Sie brauchen Zeit und Luft, um ihre Tiefe, Struktur und Balance zu entfalten. Ihr Stil ist klassisch burgundisch - präzise, zurückhaltend und von großer Ruhe geprägt, wie der Winzer selbst. Pierre Boillot beschreibt seine Philosophie mit bemerkenswerter Klarheit: „Rund 20 Tage lasse ich dem Traubengut Zeit für die Maischegärung, bevor die Weine im Barrique reifen dürfen. Dort bekommen sie genau die Ruhe, die sie brauchen, um sich zu entfalten.“ Besonders eindrucksvoll war seine Beschreibung des Pinot Noir: „Pinot Noir ist eine Diva. Zu viel Bewegung verzeiht sie nicht. Lass sie ruhen. Lenk sie sanft. Dann zeigt sie dir ihre ganze Größe.“ In diesen wenigen Worten verdichtet sich sein Verständnis vom Weinmachen: Geduld, Zurückhaltung und das Gespür für den richtigen Moment. Seine Weine entfalten ihre Größe nicht laut, sondern leise – und gerade darin liegt ihre beeindruckende Klasse.
Die letzte Station führte uns nach Ladoix zum Maison Capitain-Gagnerot. Das Familienweingut wird heute in achter Generation von Pierre-François Capitain und seiner Schwester Delphine geführt. Herzlich empfangen wurden wir von Julie Capitain, die uns mit großer Fachkenntnis und spürbarer Begeisterung durch die Verkostung führte.Verkostet wurde der Jahrgang 2025 - quer durch die Lagen und über das gesamte Spektrum des Hauses hinweg. Vom Chardonnay bis zum Pinot Noir, von Village-Weinen bis zu renommierten Grand Crus bot sich ein beeindruckender Einblick in die Vielfalt des Corton-Hügels.Die Weinberge des Guts liegen unter anderem in Pernand-Vergelesses, Ladoix, Savigny-lès-Beaune, Aloxe-Corton, Corton, Corton-Charlemagne, Clos de Vougeot und Échezeaux. Bemerkenswert ist der zurückhaltende Einsatz von Neuholz: Mit lediglich rund zehn Prozent liegt er deutlich unter dem heute oft üblichen Niveau. Das Holz dient hier ausschließlich dem Wein – niemals umgekehrt. Das Ergebnis sind Weine von klarer Frucht, präziser Mineralität und bemerkenswerter Frische. Die Charakteristik von Pinot Noir und Chardonnay bleibt stets im Vordergrund und wird mit großer Finesse herausgearbeitet. Besonders spannend war die Erläuterung der einzigartigen Stellung des Corton-Hügels. Als einzige Grand-Cru-Lage des Burgunds bringt er sowohl große Rot- als auch große Weißweine hervor und bildet damit eine faszinierende Brücke zwischen Côte de Beaune und Côte de Nuits.
Unsere Reise durch das Burgund hat einmal mehr gezeigt, warum diese Region für viele Weinliebhaber als Maßstab gilt. Trotz unterschiedlicher Stilistiken verbindet die besuchten Weingüter eine gemeinsame Haltung: der kompromisslose Respekt vor Herkunft, Terroir und Handwerk.Ob die präzisen Weißweine von Vincent & Sophie Morey, die stillen und tiefgründigen Pinot Noirs von Pierre Boillot oder die terroirgeprägten Gewächse von Maison Capitain-Gagnerot - überall wurde deutlich, dass große Weine nicht gemacht, sondern begleitet werden. Im Burgund wird Terroir nicht nur sichtbar. Es wird zur Handschrift.
Wer noch tiefer in die Reise eintauchen möchte, findet in Folge 16 des Podcasts von @majakirsch_kirschroyal einen ausführlichen Bericht. Sommelière und Gastrocoach Maja Kirsch, die uns während dieser Tage begleitet hat, bringt die Begegnungen, Weine und Eindrücke des Burgunds mit viel Charme, Humor und fundiertem Fachwissen eindrucksvoll auf den Punkt.
Vom 01.06.2026

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Stefanie Schweizer
Redakteurin
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